Autor Thema: Zur falschen Zeit am falschen Ort ...  (Gelesen 1528 mal)

Daylanee

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Zur falschen Zeit am falschen Ort ...
« am: 19. Juli 2006, 04:57 »
"Halt! Was machen Sie da? Dieses Terminal ist zugangsbeschränkt!"

"Ich beschaffe mir die Pläne für eure bevorstehenden Truppenbewegungen, du Holzkopf ..."
, dachte Daylanee sich. Langsam richtete sie sich auf und drehte sich zur Tür. Diese wurde von einem Atrox in schwarzer Omni Tek Armed Forces-Rüstung mit einem Westinghouse Plasmaburner im Anschlag ausgefüllt.

"Ich bin zur Wartung dieses Terminals bestellt worden, hat man Ihnen nicht Bescheid gesagt?" Unschuldig schaute sie die Wache an und ließ die Augenlieder klimpern. "Allerdings ist mir mein Neutronen Reconstructor hinter das Terminal gefallen. Ich bin auch ein bißchen ungeschickt heute", fügte Daylanee hinzu und kicherte albern. "Darüber bin ich nicht informiert worden", der Atrox schien verwirrt. "Brauchen Sie Hilfe, um Ihr Neutronen Dingsbums wiederzufinden?", fragte er und machte einen Schritt auf die zierliche Opifex im Techniker-Overall zu. "Wobei ... können Sie sich ausweisen? Ich habe Sie hier noch nie gesehen!"
Daylanee seufzte, "also auf die harte Tour ...", dachte sie sich. "Aber selbstverständlich, einen Moment bitte", sie drehte sich um und griff nach ihrer SMG, die von ihr verdeckt am Terminal lehnte. "Vielleicht hiermit?", fragte sie lächelnd.

Der Wachmann riß die Waffe hoch und feuerte, doch da hatte Daylanee die zwei Meter bis zu ihm schon mit einem Hechtsprung überwunden. Der Plasmastrahl schlug hinter ihr in der Konsole ein, Funken sprühten, es roch nach Ozon und verbranntem Plastik. Daylanee schlug den Arm des Trox beiseite und rammte ihm die Mündung ihre Waffe unters Kinn.
"Waffe fallen lassen! Wir wollen ja nicht, daß noch mehr des wertvollen Inventars hier zerstört wird", fügte sie süffisant hinzu. Scheppernd fiel der Plasmaburner zu Boden. "Bitte den Helm abnehmen, ich möchte doch Deine hübschen Augen sehen", sagte Daylanee grinsend. "Aber keine hektischen Bewegungen bitte, das könnte zu Kopfschmerzen am Reclaim-Terminal führen!"
"Stinkendes Clanerpack!"
fauchte der Atrox, nachdem er den Helm abgenommen hatte und starrte sie wütend an. Daylanee legt die Stirn in Falten, "Na das war ja schon fast beleidigend!"

Mit einer schnellen Bewegung riß sie den rechten Arm hoch, der Kolben ihrer Waffe krachte an die Schläfe des Wachmanns, woraufhin dieser leise seufzend zu Boden sank. "Ungehobelter Klotz!", sagte sie zu der bewegungslosen Gestalt am Boden. Eine Melodie summend zog sie sich die Techniker-Montur aus, verstaute sie in ihrem Rucksack und aktivierte mit flinken Handbewegungen ein Nanoprogramm. Einige Sekunden später materialisierte sie sich im Grid und nahm den Ausgang nach Old Athen.

Dort angekommen lief sie zu einem Missions-Terminal und deponierte den Datenchip für ihren anonymen Auftraggeber. Sobald die Authentizität ihrer Informationen verifziert werden würde, würde ein nicht unerheblicher Geldbetrag auf ihr Konto transferiert werden. Daylanee interessierte sich nich sonderlich dafür wer ihre Auftraggeber waren. Nicht daß sie skrupellos wäre, dann hätte sie den Wachmann auch töten können, aber sie hatte früh gelernt, daß man meist gut beraten war, keine unbequemen Fragen zu stellen. In dem Heim, in dem sie aufgewachsen war, hatte es wegen ihrem vorlauten Mundwerk oft eins auf die Finger gegeben oder kein Abendessen ... manchmal auch beides.
Als sie zwei Jahre alt war, waren ihre Eltern bei einem Alien-Angriff getötet worden ... von Omni Tek! Nachdem die Unicorns die Aliens nicht zurückdrängen konnten, war ein Flächenbombardement angeordnet worden. Daylanee war durch Zufall im Keller ihres völlig zerstörten Elternhauses gefunden worden, ihr Eltern hatten weniger Glück gehabt. Kollateralschaden hatte es von offizieller Seite nüchtern in den Akten geheißen. Nachdem sie sich im Krankehaus von ihren Verletzungen erholt hatte, war sie von Omni Tek in das Heim gesteckt worden. Andere Verwandte hatte sie auf Rubi Ka nicht, ihre Eltern waren erst kurz vor ihrer Geburt als Terraformer auf den Planeten gekommen.

Mit fünfzehn war sie von dort weggelaufen, "... die Biege machen...", nannte Daylanee es mit einem sarkastischen Grinsen, wenn jemand fragte. Doch die Jahre im Heim hatten sie geprägt: klein und drahtig war sie schon immer gewesen, doch mittlerweile traute sie niemandem einfach so und gab nicht viel von sich preis. Ihre jetzigen Auftraggeber schätzten ihre zurückhaltende Art, doch machte sie es auch schwierig Freunde zu finden. Sleek war der erste gewesen, der ihr Vertrauen gewinnen konnte. Wenn Daylanee an den alten Fixer dachte, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Er hatte sie nicht wie einen streunenden Hund weggejagt, als sie sich nach ihrem Ausbruch aus dem Heim in Borealis herumgetrieben hatte. Stattdessen hatte er ihr zu Essen gegeben und sie Botengänge für ihn erledigen lassen.

Fortsetzung folgt  ;)
« Letzte Änderung: 19. Juli 2006, 21:07 von Daylanee »
Mister rabbit says, "A moment of realization is worth a thousand prayers." :D

Daylanee

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Re: Zur falschen Zeit am falschen Ort ...
« Antwort #1 am: 24. Januar 2007, 22:57 »
...
Nach 2 Jahren, in denen sie fuer Sleek Päckchen abgeholt oder ausgeliefert, Informationen beschafft und ein, zwei Gegenstände ‘illegal’ erworben hatte, brachte Daylanee endlich den Mut auf zu fragen. “Sleek?”, “Hmm?”, “Könntest du mich zu einem Fixer ausbilden?”
Und er? … hatte sie angeschaut und angefangen zu lachen.
“WAS!? DENKST DU ICH SCHAFF’ DAS NICHT!? WAS DENN!? HÖR AUF ZU LACHEN!”
Als er sich beruhigt hatte, schaute er Daylanee nachdenklich an und fragte: “Und was sollte ich Dir Deiner Meinung nach noch beibringen? Du bist doch schon ein Fixer.” Daylanee schaute ungläubig. “Naja, eins fehlt Dir vielleicht noch …”, er fing an in einer schweren Holzkiste zu wühlen, “Hmm, wo is das gute Stück denn nur abgeblieben?” Als er sich wieder zu ihr umdrehte, drueckte er ihr eine alte SMG in die Hand. “Hier, meine alte Kerans Grinner. Sollte reichen, für den Anfang … morgen zeige ich Dir, wie man damit umgeht. Jetzt solltest Du sie erstmal auseinandernehmen, putzen und fetten. Pass auf, Du musst also hier erst den Schlagbolzen zurückziehen …” Bis spät in die Nacht sassen sie zusammen und Sleek erzählte von den Aufträgen, die er ‘in seiner Jugend’ erledigt hatte … Daylanee war glücklich.

In der Folgezeit hatte Daylanee weiter Aufträge fuer Sleek erledigt, aber sich auch von unabhängigen Auftraggebern Arbeit beschafft. Sleek verliess das Appartment fast garnicht mehr, stattdessen sass er dauernd vor seiner Computerkonsole und versuchte sich in die ICC- und Omni-Tek-Netzwerke zu hacken. Eines Abends, als Daylanee gerade von einem Auftrag zurueckkam, verkündete er: “Ich hab’s geschafft, ich hab den ICC-Zugang geknackt.” “Und nun?”, fragte Daylanee müde. “Nun, habe ich erstmal meine kompletten Daten gelöscht, weil ich den Kerlen nicht traue!” “Aber wenn Dir etwas passiert, kannst Du ohne die Bioscanner-Daten nicht ‘wiederhergestellt’ werden!” Er wischte Ihren Einwand mit einer Handbewegung beiseite. “Ach was, hier findet mich keiner, also kann mir auch keiner was anhaben!” “Ich hoffe Du behälst Recht.”, hatte Daylanee nur antworten können.

Doch sie hatten ihn gefunden. Zwei Wochen späeter nur, war Daylanee heimgekehrt und hatte die Appartmenttuer mit gelbem Absperrband zugeklebt vorgefunden. “Crime Scene. Do Not Cross” Drinnen sah es aus, als hätte sprichwörtlich eine Bombe eingeschlagen. Die meisten Möbel waren zerschlagen oder umgekippt, das Computerterminal wies Einschusslöcher auf, ebenso die meisten Wände. Einen Augenblick stand Daylanee wie erstarrt da. Als sich eine Gestalt aus dem Schatten einer Nische löste, riss sie ihre SMG hoch. “Ssschschsch … die brauchst Du nicht. Pack Deine Sachen zusammen, Du bist hier nicht sicher.”, sagte Ofoz, der ein alter Freund von Sleek war. Wortlos drehte Daylanee sich um und fing an, ihre Habseligkeiten zusammenzusuchen und in eine Tasche zu stopfen. Dann folgte sie dem Fixer durch das Grid nach Newland, wo Ofoz sich mittlerweile niedergelassen hatte.
Von ihm erfuhr sie, dass es von Seiten des ICC hiess, dass ein Einbruch stattgefunden haette und sowohl der Eigentümer des Appartments, als auch der ‘Einbrecher’ gesucht wuerden. In der Fixer-Gemeinde kursierte jedoch eine andere Version der Geschichte, die weit glaubwürdiger war und auch von Zeugen belegt werden konnte: Omni-Tek hatte die Hacker-Angriffe von Sleek zurückverfolgt, ihn so aufgespürt und einen Omni-Tek Assasin beauftragt, Sleek aus dem Weg zu räumen. Nachdem dieser in das Appartment eingedrungen war, war es zum Kampf gekommen, in dem Sleek durch das Notgrid hatte flüchten wollen. Aufgrund des massiven Nanobot-Schadens durch die Aktivierung des Notgrids und einem DoT des Killers, war er im Grid gestorben. Da er seine kompletten Daten gelöscht hatte, konnte er nicht rekonstruiert werden, sein Körper konnte nicht aus dem Grid geborgen werden und hatte sich dort aufgelöst. Er war, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgelöscht.

Nach drei Tagen in Newland City verabschiedete sich Daylanee von Ofoz mit der Begründung, ihm nicht laenger auf die Nerven gehen zu wollen. In Wahrheit wollte sie alleine sein. Sie besorgte sich Vorräte und kehrte zu den Ruinen ihres Elternhauses in Perpetual Wastelands zurueck, wo sie zwei Wochen damit verbrachte, in die Einöde der Wastelands zu starren. Danach stand ihr Entschluss fest, sie schulterte ihren Rucksack und reiste via Grid nach Old Athen, wo sie das erste Clan-Bewerbungsformular unterschrieb, das sie in die Hand bekommen konnte, um gegen den Konzern zu kämpfen, der ihr die Menschen geraubt hatte, die ihr lieb und wichtig waren.

( Mann, Mann, Mann ... da hab ich mir ja mal Zeit gelassen, was? Erstaunlich, dass ich mich ueberhaupt noch dran erinnern konnte, wie die Geschichte weitergehen sollte. Umlaute werden noch korrigiert ... irgendwann  :mrgreen: )

Daylanee
« Letzte Änderung: 26. Januar 2007, 05:13 von Daylanee »
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